Joyn überholt RTL+: Die Streaming-Überraschung des Jahres 2025
Damit hatte niemand gerechnet. Joyn, die Streaming-Plattform von ProSiebenSat.1, hat im November 2025 RTL+ überholt. Mit 12,4 Millionen monatlichen Nutzern – das sind 1,8 Millionen mehr als die Konkurrenz.
Noch beeindruckender: Das Wachstum. Plus 104 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Joyn hat sich innerhalb von zwölf Monaten mehr als verdoppelt.
Wie macht man das?
Die Zahlen: Joyn vs. RTL+
| Plattform | Nutzer (Nov. 2025) | Wachstum | Modell |
| Joyn | 12,4 Mio. | +104% | Primär AVOD (werbefinanziert) |
| RTL+ | ~10,6 Mio. | +18% | Primär SVOD (Abo) |
Die Zahlen zeigen einen fundamentalen Unterschied: Joyn setzt auf kostenlose Inhalte mit Werbung, RTL+ auf bezahlte Abos. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Aber 2025 gewann das Gratis-Modell.
DWDL berichtete, dass Joyn bei der Netto-Reichweite erstmals klar vorne lag. Ein historischer Moment für die ProSiebenSat.1-Tochter.
Warum Joyn gewonnen hat
Der Erfolg hat mehrere Ursachen.
Kostenlos schlägt Abo
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten überlegen Menschen genauer, wofür sie zahlen. Ein Streaming-Dienst, der 10 Euro im Monat kostet, konkurriert nicht nur mit anderen Streamern, sondern mit Netflix, Spotify, Cloud-Speicher und allem anderen. Joyn kostet nichts – außer Werbezeit.
Reality-Live funktioniert
Der 24-Stunden-Livestream von Big Brother war ein Traffic-Treiber. Fans schalteten nicht nur zur Primetime ein, sondern rund um die Uhr. Das generiert Nutzungsminuten wie nichts anderes.
Junge Zielgruppe
ProSiebenSat.1 meldete, dass besonders die 14-29-Jährigen Joyn nutzen. Diese Zielgruppe ist für klassisches Fernsehen verloren, aber für kostenloses Streaming zu haben.
Creator-Events
Die „Great Fight Night" und Kooperationen mit YouTube- und Twitch-Streamern brachten Publikum, das lineares TV gar nicht mehr nutzt.
RTL+ ist nicht geschlagen
Bevor jemand RTL+ abschreibt: Die Plattform bleibt stark.
6,2 Millionen zahlende Abonnenten (Stand März 2025), ein Wachstum von 18 Prozent, Streaming-Umsatz plus 29 Prozent. RTL+ verdient Geld. Joyn generiert Reichweite.
Das sind unterschiedliche Ziele. RTL will Profitabilität, ProSiebenSat.1 will Marktdurchdringung. Beide Strategien können langfristig funktionieren.
Der teure Flop der Stefan-Raab-Shows hat RTL+ allerdings geschadet. Die erhofften Neuabonnenten blieben aus. Das Wachstum hätte stärker sein können.
Der deutsche Streaming-Markt im Überblick
Die großen Plattformen 2025:
| Plattform | Marktanteil | Trend |
| Prime Video | 28% | Marktführer |
| Netflix | 25% | Stabil |
| Disney+ | 17% | Stabil |
| Joyn | ~12 Mio. Nutzer | +104% |
| Apple TV+ | 8% | Wachsend |
| WOW (Sky) | 7% | Stabil |
| Paramount+ | 6% | Stärkstes Wachstum |
| RTL+ | ~10 Mio. Nutzer | +18% |
Die US-Giganten dominieren. Aber die deutschen Plattformen wachsen. Joyn und RTL+ zusammen erreichen über 20 Millionen Nutzer – das ist eine Hausnummer. Dass auch deutsche Produktionen international funktionieren, beweist etwa Maxton Hall bei Prime Video – Platz 1 in fast 100 Ländern.
Was Joyn richtig macht
Der Erfolg von Joyn ist kein Zufall. ProSiebenSat.1 hat Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit gezogen.
Niedrige Einstiegsbarriere
Keine Kreditkarte, keine Registrierung nötig. Einfach App öffnen und schauen. Das klingt trivial, macht aber einen Unterschied.
Verlängerung des linearen Programms
Shows wie „Wer stiehlt mir die Show?" oder „Germany's Next Topmodel" funktionieren linear UND im Streaming. Die Mediathek-Abrufe nach der Ausstrahlung sind enorm.
FAST-Channels
Joyn bietet lineare Kanäle, die wie klassisches Fernsehen funktionieren – aber im Stream. Für Zuschauer, die einfach „einschalten" wollen, ohne zu entscheiden.
Ausblick: Wohin geht die Reise?
Die Überholung von RTL+ ist ein Etappensieg. Die eigentliche Frage lautet: Kann Joyn das monetarisieren?
Reichweite allein bezahlt keine Rechnungen. ProSiebenSat.1 muss die Werbeerlöse steigern. Der AVOD-Umsatz wuchs 2025 um 62 Prozent – ein guter Anfang.
RTL+ wird reagieren. Vielleicht mit einem günstigeren Abo-Tier. Vielleicht mit mehr kostenlosen Inhalten. Der Wettbewerb wird härter.
Für Zuschauer ist das gut. Mehr Auswahl, niedrigere Preise, bessere Inhalte. Der Streaming-Markt 2026 wird spannender denn je.
Fazit: Der Underdog schlägt zu
12,4 Millionen Nutzer. Plus 104 Prozent. Joyn hat RTL+ überholt – und damit die Streaming-Landschaft durcheinandergewirbelt.
Der Erfolg zeigt, dass werbefinanziertes Streaming eine echte Alternative zu Abo-Modellen ist. In Zeiten von Inflation und Abo-Müdigkeit trifft Joyn den Nerv.
Ob ProSiebenSat.1 daraus langfristig Profit schlagen kann, bleibt abzuwarten. Aber als Reichweiten-Geschichte ist 2025 das Jahr von Joyn. Gegen alle Erwartungen.
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