Tatort Münster sprengt alle Rekorde: 42,6 Prozent Marktanteil
42,6 Prozent Marktanteil. Das ist keine Zahl aus den 90ern, als es drei Programme gab. Das ist Dezember 2025, mitten in der Streaming-Ära.
Der Münster-Tatort mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers hat mit der Folge „Die Erfindung des Rades" den höchsten Marktanteil eines Tatorts seit 1992 erreicht. Über 12 Millionen Menschen schalteten ein. In einer Zeit, in der Netflix, Prime Video und Disney+ um jeden Zuschauer kämpfen.
Wie schafft ein Format das, das seit 1970 läuft?
Zwei Münster-Tatorte, zwei Quotenrekorde
2025 liefen zwei neue Folgen aus Münster – und beide sprengten die Skala.
| Folge | Datum | Zuschauer | Marktanteil |
| Fiderallala | April 2025 | 12,51 Mio. | 42,5% |
| Die Erfindung des Rades | Dezember 2025 | 12,20 Mio. | 42,6% |
Die Dezember-Folge lag bei den absoluten Zuschauerzahlen knapp unter dem April-Krimi. Aber weil weniger Menschen insgesamt vor dem Fernseher saßen, stieg der Marktanteil auf den Rekordwert.
Zum Vergleich: Der durchschnittliche Tatort erreicht 2025 etwa 8 bis 9 Millionen Zuschauer bei 28 bis 32 Prozent Marktanteil. Münster spielt in einer eigenen Liga.
Warum funktioniert Münster so gut?
Thiel und Boerne sind keine klassischen Ermittler. Der eine ist ein norddeutscher Griesgram, der andere ein eitler Pathologe mit Hang zur Selbstdarstellung. Die Fälle sind oft absurd, der Humor trocken, die Dialoge schnell.
Das Konzept bricht mit allem, was den Tatort sonst ausmacht. Keine schwere Gesellschaftskritik, kein Betroffenheitston. Stattdessen: Unterhaltung, die nicht so tut, als wäre sie etwas anderes.
Axel Prahl und Jan Josef Liefers spielen seit 2002 zusammen. Über 20 Jahre haben sie ihre Figuren geschliffen. Die Chemie zwischen beiden ist echt – und das merkt man. Jede Szene wirkt eingespielt, ohne langweilig zu sein.
Das Mediathek-Phänomen
Der Erfolg beschränkt sich nicht auf den Sonntagabend. „Fiderallala" erreichte in der ARD-Mediathek über 2 Millionen Abrufe und wurde zum erfolgreichsten Stream des Jahres.
Das ist bemerkenswert: Ein Format, das seit über 50 Jahren läuft, funktioniert auch im Streaming. Die Münster-Folgen werden nachgeschaut, weitergeleitet, empfohlen. Sie haben die Viralität, die man sonst nur Netflix-Serien zutraut.
Die ARD hat verstanden, dass der Tatort nicht nur ein TV-Format ist. Er ist eine Marke – und Münster ist das Premium-Produkt dieser Marke.
Die anderen Ermittler im Schatten
Während Münster Rekorde bricht, kämpfen andere Teams um Aufmerksamkeit.
Das Kölner Duo Ballauf und Schenk erreicht solide 9 bis 10 Millionen. Die neuen Frankfurter Ermittler Azadi und Kulina starteten erfolgreich mit 8 bis 9 Millionen. Aber niemand kommt an Münster heran.
Das ZDF versucht mit Formaten wie „Nord Nord Mord" gegenzuhalten. Die Sylt-Krimis erreichen bis zu 9 Millionen Zuschauer – respektabel, aber kein Münster-Niveau.
Der Grund: Münster hat etwas, das sich nicht kopieren lässt. Die Kombination aus Prahl, Liefers, dem speziellen Humor und zwei Jahrzehnten gemeinsamer Geschichte ist einzigartig. Andere Tatorte können gut sein. Münster ist Kult.
Was der Erfolg über das Fernsehen verrät
Die Münster-Quoten widerlegen ein gängiges Narrativ: dass lineares Fernsehen am Ende sei. Zumindest für das richtige Programm gilt das nicht.
Wenn 12 Millionen Menschen gleichzeitig einschalten, entsteht etwas, das Streaming nicht bieten kann. Ein gemeinsames Erlebnis, das am Montag in Büros und WhatsApp-Gruppen diskutiert wird. Dieses „Lagerfeuer-Fernsehen" funktioniert – aber nur noch bei wenigen Formaten.
Der Tatort gehört dazu. Fußball-Länderspiele auch. Große Shows wie der ESC. Alles andere fragmentiert sich auf Dutzende Plattformen und Mediatheken.
Für die ARD ist der Münster-Tatort deshalb Gold wert. Er liefert nicht nur Quoten, sondern auch Legitimation: Seht her, wir können noch Fernsehen, das alle schaut.
Wie lange geht das noch gut?
Die unbequeme Frage lautet: Was passiert, wenn Prahl oder Liefers aufhören?
Beide sind Mitte 60. Ein Ende ist nicht angekündigt, aber irgendwann wird es kommen. Und dann steht die ARD vor einem Problem, das sie nicht lösen kann. Münster ist nicht ersetzbar. Das Format lebt von seinen Hauptdarstellern, nicht von der Stadt oder dem Konzept.
Andere Ermittler wurden ausgetauscht, manche Teams eingestellt. Aber Münster ohne Thiel und Boerne? Schwer vorstellbar, dass das funktioniert.
Bis dahin genießt die ARD die Rekorde. 42,6 Prozent Marktanteil im Jahr 2025 – das hätte vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten. Und doch ist es passiert.



